Saturday, February 24. 2007
krippenkrieg
Friday, February 23. 2007
ein bischof im spagat
In einem FAZ-Interview äußerte der Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber, einige interessante Sätze. Manches davon sind gute, dringend nötige Impulse - anderes zeigt aber auch ein tiefes Dilemma auf. Huber hat zweifellos recht wenn er sagt:
"Die Erneuerung der evangelischen Kirche kann aus dem Kern des christlichen Glaubens, aus dem Verkündigungsauftrag heraus erfolgen. ... Das Wesentliche an den Traditionen des christlichen Glaubens sind seine Inhalte, nicht seine Strukturen. Und es muss viel stärker darum gehen, diese Inhalte zum Leuchten zu bringen. Wir sind verpflichtet, Strukturen überall dort zu bewahren, wo sie dieser Aufgabe dienen; wo sie ihr im Wege stehen, müssen wir sie ändern."
In der Tat war das Evangelium von Jesus Christus noch nie an "heilige Strukturen" gebunden, sondern hat sich in verschiedenen Kulturen und Völkern auch immer eigene, kreative Formen geschaffen. Und Kirchen in anderen Kulturen scheinen umso beständiger und geistlich tragfähiger zu sein, je weniger sie koloniale Abziehbilder westeuropäischer Kirchen wurden. Die rasante Veränderung unserer eigenen Kultur und Gesellschaft ist dagegen für unsere Kirche eine neue, seit Jahrhunderten so nicht gekannte Herausforderung. Hoffentlich gelingt es, darin die "Inhalte zum Leuchten zu bringen". In diesem Zusammenhang formuliert Huber aber auch gleich das Dilemma:
"In Europa aber sind wir durch die Aufklärung gegangen, die nicht rückgängig zu machen ist. Wir müssen immer beachten, dass wir die Leuchtkraft des Evangeliums, die Schönheit gelebter Spiritualität zum Ausdruck bringen und gleichzeitig im Bewusstsein behalten: Wir sind Christen, die die Aufklärung ganz bewusst bejahen."
Hier findet sich der Bischof im Spagat wieder, denn seit Jahrzehnten gehen Theologen durch eine akademische, historisch-kritische Ausbildung, die das Vertrauen in die Bibel nicht gerade fördert, sondern eher zersetzt und untergräbt. Wenn jemand durch diese Ausbildung gegangen ist, sind für ihn die meisten Inhalte der Bibel lediglich von frommen Menschen erfunden und erdacht worden (wenn das die Theologie natürlich auch sehr viel vornehmer und "wissenschaftlicher" formuliert). Wer kann dann noch kraftvolle Predigten halten und die "Leuchtkraft des Evangeliums" Menschen von heute nahebringen?
Der kürzlich geäußerten Kritik von "kulturschaffenden" Berlinern begegnet Huber dagegen ganz gut und brechtigt. Und seinem Plädoyer für sorgfältige, ansprechende Gottesdienste kann ich nur zustimmen:
"Nur sollten wir auch hier nicht in die Falle des Zeitgeistes tappen. Es gibt eine zeitgeistige Sehnsucht nach einem Gottesdienst, der ästhetisch ansprechend und bilderreich, aber inhaltlich möglichst wenig anspruchsvoll sein soll. Wir wollen hingegen einen Gottesdienst, der von der Qualität der Predigt lebt wie auch von einer anspruchsvollen Liturgie mit schönen, sangbaren Liedern."
So ist es. Fragt sich nur, was "schöne, sangbare Lieder" sind für Leute, die im Alltag nur mit "Antenne" oder "NDR2" leben. Sind das wirklich die Lieder, die vor zwei- bis dreihundert Jahren für Instrumente geschaffen wurden, für die sich seit Jahrzehnten immer weniger Leute finden, die sie überhaupt spielen wollen? Dazu gibt es seit Jahren andere Ansätze. Und wenn wir als Kirche von den Menschen noch verstanden werden wollen, wird auch hier ein Mentalitätswandel nötig sein - und manchen genau so wehtun wie strukturelle Veränderungen.
Tuesday, October 31. 2006
reformationstag
Schade, dass Martin auf den meisten Bildern immer so furchtbar ernst dreinschaut. Dabei hat er doch so eine gute, befreiende und ermutigende Botschaft neu entdeckt und unter die Leute gebracht. Deshalb zum heutigen Reformationstag eine kleine Erinnerung mit seinen eigenen Worten:
"Der Schatz der Kirche ... ist bei dem Volke Christi weder genügend genannt noch bekannt. Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und Gnade Gottes."
(aus den 95 Thesen)
Es ist nicht genug, "wenn man Christus Leben und Werk obenhin und nur als ein geschichtliches und überliefertes Ereignis predigt, geschweige denn, daß man von ihm ganz schweigt und das geistliche Recht oder andere Menschengesetze und -lehren predigt. ... Er soll und muß so gepredigt werden, daß mir und dir daraus der Glaube erwächst und erhalten wird. Und dann erwächst dieser Glaube und wird er erhalten, wenn mir gesagt wird, warum Christus gekommen ist, wie man ihn gebrauchen und genießen soll, was er mir gebracht und gegeben hat." Deshalb lebt "ein Christenmensch nicht in sich selbst, sondern in Christus und seinem Nächsten - in Christus durch den Glauben, im Nächsten durch die Liebe. Das ist die rechte, geistliche, christliche Freiheit, die das Herz frei macht von allen Sünden, Gesetzen und Geboten, die alle andere Freiheit übertrifft wie der Himmel die Erde, die gebe uns Gott recht zu verstehen und zu behalten."
(aus der 'Freiheit eines Christenmenschen')
Ich denke, Martin wirkte auf seine Weise sehr missionarisch und hat in der Sprache seiner Zeit eine befreiende, ermutigende Botschaft weitergegeben. Eine Botschaft die immer noch die unaufgebbare, in den heutigen Diskussionen neu zu entdeckende "Kernkompetenz" der Gemeinde Jesu für unsere Gesellschaft ist.
Monday, October 30. 2006
so viel evangelium wie möglich
"Bei allen kirchlichen Reformbemühungen sollen theologische Grundsätze die ökonomischen Entscheidungen bestimmen" - so hat die VELKD auf ihrer Herbstsynode in Ahrensburg eine Präzisierung der gegenwärtigen kirchlichen Reformdiskussion formuliert. In der Pressemeldung zum verabschiedeten 12-Thesen-Papier "zur Zukunft der Gemeinde" heißt es:
"... dass eine „viel zu wenig genutzte Chance“ darin liege, „wenn
Ehrenamtliche mit ihren besonderen Kompetenzen an verantwortlicher
Stelle bei der Wahrnehmung kirchlicher Aufgaben tätig werden“. Darüber
hinaus ermutigt die Generalsynode, die Veränderungsprozesse in der
Kirche aktiv mit zu gestalten. Die gegenwärtige Bedeutungs- und
Finanzkrise zwinge zur Besinnung auf die Kernaufgabe der Kirche – „die
Verkündigung des Evangeliums in Wort und Sakrament“.
Das gesamte lesenswerte Thesenpapier kann hier als pdf geladen werden. Ich finde es gut, dass Ziel und Inhalt kirchlicher Arbeit nun so breit diskutiert werden. Bedauerlich bleibt genauso wie beim "Impulspapier" der EKD, dass viele biblische Inhalte wie die "Chance" und Gaben von Ehrenamtlichen oder die "Kernaufgabe" der Verkündigung des Evangeliums erst aufgrund aktueller äußerer Sachzwänge entdeckt werden. Um in unserer zunehmend orientieurngslosen Gesellschaft das Evangelium zu verkündigen, hätten wir eigentlich weder Mitgliederschwund noch Finanzkrise nötig gehabt - schließlich gab es da von Anfang an einen klaren Auftrag. Aber vielleicht wird der nun wenigstens zwangweise wieder neu entdeckt!
e wie evangelisch
Sunday, October 8. 2006
evangelikale - feind oder doch freund?
So manches "Evangelikale" schwirrte da neuerdings durch den Medienwald. ARTE bot einen Themenabend mit "christlichem Sprengstoff" und warnte vor neuen "fundamentalistischen Glaubenskriegen". Dabei hat man sich redlich bemüht, möglichst abstruse Beispiele für die gängigen Feindbilder von Evolutionskritik über Exorzismus bis zur Mission mit modernen technischen Mitteln zusammenzutragen - leider mit bösen Folgen für einige Lehrer, die es gewagt hatten, wissenschaftliche und sachlich fundierte Kritik an der hierzulande monopolisierten Evolutionsideologie zu üben. Evangelikale sind also eine Art böser Geheimgesellschaft, die eine heimliche bibeltreue und konservative Revolution in Europa anzetteln wollen - zumindest in der etwas ideologisch beschränkten Sicht von ARTE.
Gleichzeitig überraschte allerdings auch die Meldung: "EKD setzt auf Zusammenarbeit mit Evangelikalen". Offenbar unter dem Eindruck einer finanziell, demographisch und geistlich bröckelnden Kirche ermunterte Hermann Barth, der Präsident des Kirchenamtes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), die evangelikalen Christen in Deutschland, "die Bindungen an die großen kirchlichen Organisationen beizubehalten". Denn (so berichtet die EKD selber): "Gerade diese Gemeindemitglieder seien häufig das Rückgrat für die ehrenamtliche Arbeit und das geistliche Leben der Kirchengemeinden" und "die Kirchengemeinden verlören ohne die evangelikalen Gemeindemitglieder ein wesentliches Element für die 'geistliche Profilierung'". Manchmal leider das einzige Element, möchte man ergänzen. Aber ich denke, damit wird nicht nur etwas Richtiges gesehen, sondern auch in einer Deutlichkeit formuliert, die vor zehn Jahren noch ziemlich undenkbar gewesen wäre. Auch wenn solche Sätze vermutlich nicht aus inhaltlicher Einsicht oder Zustimmung, sondern aus dem Druck bestimmter Sachzwänge geboren werden - trotzdem gut, dass es mal gesagt wird. Manche hatten in diesen Tagen die neuen Töne allerdings noch nicht mitbekommen und tickten noch nach einem alten, mit einer kräftigen Prise Antiamerikanismus durchmischten Feindbild. So Richard Ziegert, Weltanschauungsbeauftragter der pfälzischen Kirche - er wurde aber von dieser dann auch prompt im Regen stehen gelassen.
Das ganze Kurzreferat von Hermann Barth auf dem Deutschen Evangelischen Allianztag in Bad Blankenburg ist durchaus lesenswert - auch wenn ich dabei den leisen Eindruck nicht loswurde, hier formuliert jemand etwas gezwungen nach dem Motto: wie lobe ich jemand, den ich eigentlich nicht mag? Und wie halte ich jemand bei der kirchlichen Stange, dem ich trotzdem möglichst wenig Einfluss einräumen will? Aber vielleicht ist das ja auch nur ein überholtes Feindbild. Und vielleicht raufen sie sich ja noch mehr zusammen, die Evangelikalen und die Kirche. Denn Zeit wär's. Um der einmaligen Botschaft und des dringenden Auftrags willen. Ob man im Kirchenamt in Hannover ARTE schaut?
Sunday, September 24. 2006
taufschwindel?
Die Feier einer Tauferinnerung als Bezeichnung mit einem Wasserkreuz ist mir sehr vertraut. Einen ziemlich illustren Ritus hat aber nun offenbar eine Gemeinde der evangelischen Kirche in Württemberg praktiziert: eine Tauferinnerung durch Untertauchen. Damit ist die Verwirrung komplett: was für die einen aktualisierende Erinnerung der Säuglingstaufe ist, akzeptieren die anderen (nämlich die Baptisten) gleich mal flugs als "neutestamentliche Glaubenstaufe". Uwe Swarat meint, diese "Tauferinnerung" sieht eher nach "semantischer Tarnung" einer Glaubenstaufe aus und hat damit wohl recht. Ob sich aber damit wirklich viele, die als Kinder getauft wurden und als Erwachsene zum Glauben kommen, dadurch vom "Bruch mit ihrer Kirche" abhalten lassen? Und ob sich damit wirklich der "Streit um die Wiedertaufe" zwischen Landeskirchlern und baptistischen Freikirchen beenden lässt? Da habe ich eher Zweifel ...
Saturday, September 9. 2006
benvenuto benedetto xvi
Nun ist es also soweit: der Papst ist "daheim" angekommen, der Freistaat steht zumindest in den entsprechenden Orten Kopf und man kommt an ihm in diesen Tagen in den Medien schwer vorbei. Eigentlich ist dieser Mensch schon ein wenig zu bedauern: er kann nicht wie jeder andere einfach seine "Heimat" besuchen, sondern lebt immer im Zentrum des medialen Rummels. Bemerkenswert bereits bei der Begrüßung am Flughafen die deutlichen ökumenischen Signale, mit der er auch "die Mitglieder der anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, besonders die evangelischen und die orthodoxen Christen" mit eingeschlossen hat. Natürlich versteht der ehemalige bayrische Kardinal sehr viel mehr von der konfessionellen und ökumenischen Lage in Deutschland als sein polnischer Vorgänger. Das wurde bereits in dem bemerkenswerten Interview deutlich, das Benedikt ausgewählten Medien im August vor seiner Reise gab. Ebenso zeigt sich da immer wieder seine Betonung der "Weitergabe des Glaubens" (wir würden das missionarisches Engagement nennen). Gönnen wir also den römisch-katholischen Geschwistern von Herzen die Freude am Besuch ihres "Papa" - es soll ihnen gut tun. Und vielleicht gehen davon ja sogar ein paar bleibende missionarische und ethische Impulse für unser Land aus - brauchen kennt mer's alleweil
Saturday, August 26. 2006
powerpoint im gottesdienst
Dieses Thema ist sogar schon beim bayrischen Sonntagsblatt angekommen und ein paar Interviews dazu sind online verfügbar. Für manche Gemeinden ist das kein Thema mehr - die müssen eher ihre Beamer, Bands, PCs und Laptops durchnummerieren. Wir neulich auch so eine besucht und fanden es dort sehr ansprechend. Für unsere Kirche ist das wohl eher noch gewöhnungsbedürftig. Natürlich kommt es "nicht auf das Medium an, sondern auf die Botschaft, dann sind alle Medien erlaubt" wie jemand im Interview sagt. Selbstverständlich! Genau deshalb sollte Kirche heute wohl zunächst an der Botschaft arbeiten. Aber wenn die dann unter die Leute gebracht werden soll, sind manche Medien für Leute von heute nun mal ansprechender als Choräle aus dem 18.Jahrhundert - und das betrifft längst nicht mehr nur Jugendliche. Bei einem anderen Statement musste ich allerdings schmunzeln: "Aber wie soll das in einer konservativen Landgemeinde funktionieren? Videoclips, Powerpoint - solche Dinge würden die Leute dort ja eher verwirren oder sogar abschrecken." Irrtum. Wir freuen uns auch auf dem Land, dass er uns neuerdings unterstützt - und niemand ist verwirrt.
Sunday, August 20. 2006
"israelsonntag"
Zum heutigen "Israelsonntag":
"Des Herrn Wort ist wahrhaftig, und was er zusagt, das hält er gewiß. Er liebt Gerechtigkeit und Recht; die Erde ist voll der Güte des Herrn. ... Aber der Ratschluß des Herrn bleibt ewiglich, seines Herzens Gedanken für und für. Wohl dem Volk, dessen Gott der Herr ist; dem Volk, das er zum Erbe erwählt hat."
(aus Psalm 33)
"O Jerusalem, ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen. Die ihr den Herrn erinnern sollt, ohne euch Ruhe zu gönnen, laßt ihm keine Ruhe, bis er Jerusalem wieder aufrichte und es setze zum Lobpreis auf Erden. ... Saget der Tochter Zion: Siehe, dein Heil kommt!"
(aus Jesaja 62)

Kommentare
Mon, 18.12.2006 07:25
nun ja. da die einzelnen büche r von verschiedenen über [...]
Fri, 29.09.2006 08:36
Da gibt es noch zwei interessa nte Links zu Linux im ch [...]
Sun, 10.09.2006 13:48
Woher wusste ich nur, dass irg end so etwas kommen würd [...]
Sat, 09.09.2006 18:41
Das kannst du öfter sagen! Eig entlich schade, dass du [...]