Wednesday, February 21. 2007
klimathriller
Durch meine momentane Entspannungslektüre sehe ich diese oder jene Pressemeldung doch mit etwas anderen Augen. Abgesehen davon, dass im Net ja längst die ultimativen Beweise für "global warming" kursieren - die Materie ist wirklich äußerst kompliziert, aber eben auch politisch und ideologisch sehr umstritten. Kein Wunder, dass Crichton mit seinem Thriller einiges an Diskussion, Kritik und ideologischen Spott auslöst. In einem Punkt muss ich vielen Kritikern zustimmen: das Buch ist auf weiten Strecken sehr faktenlastig - eher ein engagierter Aufruf zur unabhängigen, ideologiefreien Auseinandersetzung mit dem Thema Umweltschutz mit Rahmenhandlung als ein echter Thriller. Was Charaktere, Spannung und Dramaturgie angeht, hat Crichton in seinen medizinischen, psychomystischen oder prähistorischen Zeiten schon Besseres geschrieben.
Sunday, October 1. 2006
erntedank - zum zweiten
Diesmal kein Wort zum heutigen Fest, sondern mal wieder ein Blick in die Krimiecke. "Erntedank" ist nach "Milchgeld" der zweite Krimi des Autorenduos Volker Klüpfel und Michael Kobr. Und im
Gegensatz zu dem sehr unbeholfenen "Grüntenmord" spielen die beiden in einer deutlich anderen literarischen Liga. Das zeigt sich auch darin, dass die neue Auflage nicht mehr im kleinen Memminger Dietrich-Verlag erscheint, sondern bereits beim traditionsreichen Münchner Piper; dass sie in Bestsellerlisten und im ZDF landeten und den bayrischen Kunstförderpreis 2005 bekamen. Ganz gute Informationen zu Büchern und Autoren finden sich hier, hier oder hier. Und inzwischen natürlich auf der eigenen Kluftinger-Fanpage. Auch in diesen "Allgäu-Krimis" findet sich viel netter Lokalkolorit, von Kluftis allgegenwärtigen Kässpatzen bis hin zu vertrauten Orten meiner näheren Nachbarschaft. Liebenswert und schmunzelig ist die Hauptfigur Kluftinger gezeichnet, von manchen auch als "Allgäu-Schimanski" oder "Columbo von Altusried" tituliert. Sehr menschlich sind oft seine kleinen und großen Probleme - manchmal fast ein wenig zu menschlich, mit einer kleinen Überdosis Trotteligkeit. Aber vielleicht kenne ich in der Realität einfach nur die falschen Kriminalbeamten
Insgesamt finde ich die "Kluftis" aber empfehlenswert, ganz unterhaltsam und ansprechend zu lesen. Und werde demnächst mal Ausschau nach dem "Seegrund" halten...
Sunday, September 24. 2006
adam und ich
Dieses Büchlein von Henri Nouwen hat mir vor ein paar Wochen eine Bekannte geschenkt, die seit einiger Zeit in einer deutschen Arche mitlebt und arbeitet. Auch Henri Nouwen (1932-1996) verließ 1986 seine akademisch-theologische Laufbahn und wechselte als Mitarbeiter und geistlicher Leiter
in die "Arche Daybreak" in Richmond Hill bei Toronto / Canada. Das kleine, aber tiefgehende Buch "Adam und ich" ist eine Frucht dieser Zeit und erzählt seine persönlichen und geistlichen Erfahrungen aus der Begegnung mit dem schwerbehinderten Adam Arnett. Eigentlich sollte es ein Buch über das apostolische Glaubensbekenntnis werden - doch dann wurde daraus dieses sehr persönliche Zeugnis, in dem Nouwen eine ganz andere Begegnung mit Christus schildert: "Als ich Adam im Sarg liegen sah, war ich vom Geheimnis des Lebens und Todes dieses Mannes ergriffen. Blitzartig erfuhr ich in meinem Herzen, dass dieses schwerbehinderte menschliche Wesen von Ewigkeit her von Gott geliebt und von ihm mit einer einzigartigen Sendung zu heilen in die Welt gesandt wurde. ... Ich wußte in meinem Innersten, dass Adam irgendwie und auf geheimnisvolle Weise ein Abbild des lebendigen Christus für mich geworden war."In einer "Umkehrung aller Werte" lernt Nouwen in dem behinderten Adam das Geheimnis der Inkarnation Jesu neu sehen: "Viele Jahre hatte ich den Begriff 'Inkarnation' - Fleischwerdung - dem historischen Ereignis vom Kommen Gottes in Jesus zu uns Menschen vorbehalten. Durch die Nähe zu Adam verstand ich, dass das 'Christus-Ereignis' viel mehr ist als etwas, das vor langer Zeit stattfand. Es findet jedesmal statt, wenn Geist den Geist im Leib grüßt. Es ist ein heiliges Ereignis, das in der Gegenwart stattfindet, weil es Gottes-Ereignis unter den Menschen ist. Darin besteht im Grunde sakramentales Leben. Es ist Gottes fortdauernde Fleischwerdung, wenn Menschen einander 'im Namen Gottes' begegnen."
Damit stellte sich für Henri und viele andere, die Adam begenet sind, auch "die zentrale Frage unserer Identität": "Wenn die Leute wüßten, wie wir wirklich sind, und uns ohne diesen Kram vor Augen hätten, den wir angesammelt haben, würden sie uns dann noch lieben? Oder würden sie uns vergessen, weil wir niemandem mehr nützen? ... Sind wir gut aufgrund dessen, was wir tun oder haben, oder aufgrund dessen, was wir sind? Bin ich jemand, weil die Welt mich zu jemand macht, oder bin ich jemand, weil ich Gott gehöre, lange bevor ich in die Welt gehörte?"
Schnörkellos, aber gerade darin auch sehr bewegend schildert Nouwen das Leben und Sterben Adams in Parallele zum Weg Jesu. Die letzten Tage im Krankenhaus, Adams Tod, eine ausführliche Verabschiedung und Totenwache und das Begräbnis werden für ihn und viele andere nochmals zu einer eindrücklichen Begegnung mit Adam - und darin mit Christus. Insgesamt empfand ich Nouwens Buch als recht eigenwilliges, aber tiefgehendes und überzeugendes Glaubenszeugnis, das zwischen leicht lesbarer Erzählung einige geistliche und theologische Tiefe enthält. Insgesamt ein Autor, den es sich noch mehr zu entdecken lohnt! Weitere Informationen zu seinen Leben und Werk finden sich auf manchen Seiten sowie bei der englischen oder niederländischen Henri-Nouwen-Gesellschaft.
Friday, August 25. 2006
grünten-mord
Eine kleine Entspannungslektüre war neulich der "Grünten-Mord" - einer von inzwischen zwei Allgäuer Regionalkrimis von Peter Nowotny. Genau so wirkte das Buch aber auch auf mich: regional. Überaus bieder. Immerhin - es ist ein Buch. Ein richtig schön gebundenes und
kein leicht zerfledderbares Paperback - für bibliophile Menschen ein echter Pluspunkt. Inhaltlich interessant fand ich das Buch aber allenfalls deshalb, weil ich viele darin geschilderte Orte kenne - dieser starke Lokalkolorit fesselt natürlich einheimische Leser. Ebenso wie ein paar nette Klischees (junger Kommissar aus dem Norden kämpft mit Bergschuhen und Allgäuer Dialekt). Darüber hinaus lieferte dieser "Allgäu-Thriller" eher wenig Thrill. Zwar gibt es auch ein paar sachliche Fehler - zum Beispiel lautet das für die Ermittlungen so wichtige Kennzeichen von Rostock natürlich HRO und nicht HR, wie Nowotny ständig schreibt. Und der Gaunertreffpunkt Nürnberg liegt noch nicht mal annähernd "auf halbem Weg" zwischen Kempten und Rostock. Aber über solche Kleinigkeiten kann man noch hinwegsehen. Viel schwerwiegender fand ich die zeitlich ziemlich verworrene Handlung, den langatmigen, in den Straßen- und Landschaftsbeschreibungen quälend ausführlichen Stil, das Totreiten mancher Gags (der Kaffeeautomat wurde nach dem zehnten Mal wirklich fad) und die zum Teil recht unrealistische Gestaltung der Personen. Das fällt auch beim ermittelnden Hauptkommissar auf, der mir etwas zu trottelig gezeichnet wird: die Allgäuer Kriminalbeamten, die ich kenne, scheitern auch in etwas höherem Alter weder an Kaffeeautomaten noch an Computern! Und die junge Ramona - nein, mit drei kunstvoll ineinander verschachtelten Relativsätzen redet keine Frau knapp über 20 im Alltag mit ihrer Freundin - nicht mal und besonders nicht im Allgäu. So reden höchstens ältere Autoren. Lust auf's "Klausentreiben" hat der Grünten-Mord mir jedenfalls nicht gemacht. Sicher, Nowotny liebt das Allgäu und den Grünten. Und er schreibt bestimmt hervorragende Wanderführer und Landschaftsbeschreibungen und hält mitreißende Berg- und Diavorträge bei Volkshochschulen. Vielleicht sollte er genau bei diesen Stärken auch bleiben. Für mich geht's jetzt erstmal spannender weiter ...
Kommentare
Mon, 18.12.2006 07:25
nun ja. da die einzelnen büche r von verschiedenen über [...]
Fri, 29.09.2006 08:36
Da gibt es noch zwei interessa nte Links zu Linux im ch [...]
Sun, 10.09.2006 13:48
Woher wusste ich nur, dass irg end so etwas kommen würd [...]
Sat, 09.09.2006 18:41
Das kannst du öfter sagen! Eig entlich schade, dass du [...]